Wussten Sie dass Tee eine Revolution auslösen kann?

Boston Tea Party

Die Boston Tea Party bildete den Höhepunkt eines länger dauernden Streits zwischen den 13 nordamerikanischen Kolonien und ihrem Mutterland Großbritannien. Seit dem Franzosen- und Indianerkrieg und dem Siebenjährigen Krieg, welche die Staatskasse stark belastet und den Schuldenberg der Krone fast verdoppelt hatten, versuchte Großbritannien, die Einkünfte aus Nordamerika zu erhöhen, um die gleichzeitig steigenden Kosten welche die Kolonien in Nordamerika verursachten zu relativieren. Das Londoner Parlament entschied daher, dass auch die Kolonisten in Nordamerika ihren Teil zu der Unterhaltung der zu ihrem Schutz in Nordamerika stationierten Truppen beitragen sollten und erließ das Zuckergesetz (Sugar Act) und das Stempelgesetz (Stamp Act) und “besteuerte“ fortan Güter wie Zucker, bestimmte Weine, Kaffee, offizielle Schriftstücke und Dokumente aber auch Zeitungen, Karten- und Würfelspiele. Obwohl dies eine eher milde Besteuerung der Kolonisten war, die deutlich unter der Durchschnittsbelastung der Untertanen im Mutterland lag stießen die erlassenen Gesetze auf erbitterten Widerstand in den englischen Kolonien Nordamerikas, sie wurden nicht befolgt und aus Protest alle englischen Güter boykottiert d.h. nicht ge- oder verkauft. Die Neuengländer sollten zahlen und waren als englische Bürger auch berechtigt zu wählen, konnten dieses Recht aber wegen der großen Distanz nicht ausüben – und waren folglich auch nicht im Parlament in London vertreten. Pflichten, wie Steuern zahlen – ja; Rechte als Bürger Großbritanniens - nein!

König George und der Teezoll

Als König George seine Einnahmen schwinden sah, hob er die Steuern wieder auf und ersetzte sie durch Einfuhrzölle (Townshend Act ) auf die Einfuhr von Leder, Papier und Tee. Die Kaufleute in Boston umgingen die Gesetze indem sie den Tee von holländischen Schmugglern kaufte und durch eine Gruppe zum Widerstand bereiter Männer (Sons of Liberty = Söhne der Freiheit) kam es zum blutigen Zusammenstoß mit britischen Ordnungstruppen, dem so genannten Boston Massacre. Die “Geldeintreiberei“ durch den Teezoll, von dem man sich hohe Einnahmen erhoffte, erwies sich jedoch als Milchmädchenrechnung für das englische Königreich: Der Absatz des englischen Tees in Nordamerika war gleich Null und der Schmuggel mit Tee boomte, so dass Großbritannien Einnahmeverluste machte und sich die Finanzmisere nur noch verstärkte. Großbritannien machte daraufhin wieder die Kehrtwende und nahm die Zölle wieder zurück, ausgenommen die Zollerhebung auf den Tee, womit den Kolonien verdeutlicht werden sollte, dass England noch immer das Sagen hat und bestimmt was in den Kolonien in Neuengland passiert. Großbritannien versuchte gegenüber den aufmüpfigen und sturen Kolonisten, die fernab Englands versuchten sich ein Leben aufzubauen, ihre politische Macht zu demonstrieren und den Kolonien die Entscheidungen die in London getroffen wurden aufzuzwingen.

Der Tee und die Probleme...

Während der Boykott gegen die englischen Güter wieder endete, kaufte man weiterhin vornehmlich geschmuggelten niederländischen Tee, was die Britische Ostindien Kompanie vor arge Probleme stellte. Unverkaufter Tee verrottete tonnenweise in Londoner Lagerhäusern und der Bankrott der Handelsgesellschaft stand kurz bevor. Nordamerika musste als Absatzmarkt wieder aktiviert werden. Statt aber den “Tee-Zoll“ abzuschaffen, erhielt die Ostindiengesellschaft das Monopol für alle Teeexporte zu den Kolonien, zudem erließ man der maroden Handelsgesellschaft die beim Import nach England zu entrichtenden Zölle. Die Folge: Die Britische Ostindien Kompanie wäre jetzt in der Lage gewesen den englischen Tee zu dermaßen niedrigen Endpreisen anzubieten dass er in den Kolonien sogar billiger gewesen wäre als der Schmuggel-Tee. Die Situation eskalierte. Einflussreiche nordamerikanische Zwischenhändler sahen durch den Direktabsatz des Tees ihre Interessen verletzt und die Kolonialhändler hatten die Befürchtung dass die Ostindiengesellschaft auch die Kolonien innerhalb mit dem “ Billigtee“ überfluten würden. Außerdem bestand die Gefahr, dass es Großbritannien gelingt einen Keil zwischen prinzipielle Kolonisten und die eher von ökonomischen Überlegungen geleiteten Kolonisten zu treiben und so innerhalb der Kolonien für Streitigkeiten und Unmut zu sorgen. Die amerikanischen Teeimporteure und -händler sowie die Kolonisten selbst, besonders die “Söhne der Freiheit“, waren der Gängelung durch das britische Parlament und der Regierung leid und entschlossen sich deshalb den Verkauf des verbilligten Tees der Ostindiengesellschaft unter allen Umständen zu verhindern. Ihre zwischen den einzelnen Kolonien koordinierten Appelle an die Kapitäne von Lotsenschiffen, mit englischem Tee beladene Schiffe nicht mehr in die Häfen zu navigieren, waren größtenteils erfolgreich. In Städten wie New York, Philadelphia und Charleston stornierten die Teeagenten ihre Aufträge, Händler nahmen Lieferungen nicht mehr an und viele Schiffe verließen die Häfen wieder mit dem Tee an Bord. In Boston jedoch versuchte der Gouverneur Thomas Hutchinson die Gesetze einzuhalten. Er wies die Royal Navy an, jeden Versuch des im Hafen ankernden Schiffes Dartmouth den Hafen zu verlassen notfalls gewaltsam zu unterbinden und kündigte Zwangslöschung und -verkauf des Tees an falls die angefallenen Importzölle nicht innerhalb von 3 Wochen bezahlt wurden. Nach einem letzten Versuch beim Gouverneur die inzwischen 3 ankernden Schiffe ohne Entladung und ohne Zahlung der Zölle wieder Auslaufen zu lassen, was der Gouverneur ablehnte, beschloss man den Tee zu vernichten.

Der Tee und der 16. Dezember...

Etwa 50 Kolonisten um John Adams marschierten in der Nacht des 16. Dezember als Indianer verkleidet von einer großen Menge Bostoner Bürger begleitet zum Hafen, enterten die Schiffe , zerschlugen die Kisten und warfen ca. 45 Tonnen Tee über Bord. Viele Schaulustige beobachteten diese spektakuläre und völlig gewaltfrei ablaufende Aktion feierlich vom Ufer aus und die unterstützende Haltung sowie das Wohlwollen mit den Aktivisten waren spürbar. Diese Aktion des Vernichtens der Schiffladungen Tee ging als Bostoner Tea Party in die Geschichtsbücher ein und als Initiator gilt der Kolonistenführer John Adams. Die Boston Tea Party wurde zum Vorbild einer ganzen Reihe ähnlich ablaufender Aktionen, die in den folgenden Monaten in anderen nordamerikanischen Kolonien stattfanden z.B. wurden Wanderhändler, die vermeintlich englischen Tee verkaufen wollten, wiederholt gezwungen, ihre Waren zu verbrennen. In Weston, Massachusetts, wurde ein Wirtshaus von einem Trupp als Indianer verkleideter Bürger demoliert, nachdem dem Besitzer nachgesagt worden war, er würde Tee der Ostindiengesellschaft verkaufen und in größeren Städten versammelten sich Bürger um ihre privaten Teevorräte öffentlich zu verbrennen um dabei Schwüre gegen den weiteren Konsum des Getränks abzulegen. In Zeitungen erschienen Artikel, in denen dem englischen Tee schlechte Eigenschaften für die Gesundheit nachgesagt wurden, so dass innerhalb eines Jahres der offizielle Teeimport ins Bodenlose fiel. Die Provokation der Tea Parties und der anderen Widerstandsaktionen konnte sich die britische Regierung nicht bieten lassen und so wurden im englischen Parlament endlich Strafaktionen gegen die fanatischen Neuengländer und Revolutionäre gegen die Krone gefordert. Die Stadt Boston als Brandherd der Revolte war den Briten ein besonderer Dorn im Auge und man dachte gar über eine Zerstörung Bostons nach. Edmund Burke, der bedeutende Staatstheoretiker und Debattenredner, stand mit seinem Appell zur Mäßigung und der Forderung nach dem Zugeständnis an die Kolonien, sich selbst besteuern zu dürfen, isoliert da. Boykottaktionen gegen britische Waren und Proteste gegen die Regierung Großbritanniens und gegen die Gängelungen und Einschränkungen durch die britischen Kolonialherren folgten.

Großbritannien-Retter des Tees?

Großbritannien versuchte die Kolonien mit einer Reihe von weiteren Gesetzen und Sanktionen wieder in den Griff zu kriegen: -Boston Port Act: der Hafen von Boston wurde, bis zur Zahlung der durch die Vernichtung des Tees entgangenen Einfuhrzölle geschlossen, was für die Bevölkerung Bostons, angewiesen auf den Handel, eine harte Strafe bedeutete. Die Stadt Boston weigerte sich aber dennoch die Zollabgaben zu leisten. -Massachusetts Government Act: in Massachusetts widerrief die britische Regierung die Gründungsurkunde was bedeutete, dass die bisherigen vom Volk gewählten “Regenten“ abgelöst wurden. Alle wichtigen Regierungs- u. Verwaltungspositionen innerhalb der Kolonie wurden nun von offiziellen Personen besetzt die Großbritannien loyal waren und die der König ernannte. Außerdem wurden nicht genehmigte Versammlungen verboten. Alles in allem wurde die von Massachusetts erarbeitete Unabhängigkeit und die vorhandene Demokratie durch dieses Gesetzt wieder zunichte gemacht und die am weitesten fortgeschrittene Kolonie unter die Kontrolle der britischen Regierung gestellt. -Administration of Justice Act: dieses Gesetz erlaubte allen Gouverneuren (Verwalter der Kolonien) die wegen eines Verbrechens angeklagt waren, sich entweder in Massachusetts, in einer anderen Kolonie oder sogar in Ihrer englischen Heimat für Ihre Tat zu verantworten. So entkamen viele Regierungsgesandte der Justiz, weil eventuelle Zeugen aus den Kolonien es sich gar nicht leisten konnten, nach England zu reisen um vor Gericht auszusagen. Diese Reise sollte zwar bezahlt werden, aber in der Praxis konnte kein Kolonist für eine unbestimmt lange Zeit seine Arbeit und seine Familie verlassen, um auf der anderen Seite des Ozeans vor Gericht zu erscheinen. Offiziell konnte der in die Heimat fliehende angeklagte Gouverneur nicht mit einem fairen Prozess in Massachusetts rechnen, inoffiziell erteilte die Regierung Großbritanniens so ihren königlichen Beamten einen Freibrief für ungestrafte Verbrechen. -Quartering Act: dieses Gesetz zwang die Kolonisten aller Kolonien auch ohne deren Zustimmung dazu, britische Soldaten in ihren Häusern zu beherbergen und zu versorgen.

Auch die anderen Kolonien hielten diese Gesetze für unerträglich und unterstützten Massachusetts. Bald darauf trafen sich Delegierte aus den Kolonien in Philadelphia um zu entscheiden, wie man als Gemeinschaft gegen die britische Regierung, deren Bevormundungen und Verbote vorgehen wollte. Dieses Treffen ging als 1. Kontinentalkongress in die Geschichtsbücher ein und dauerte über einen Monat in dem ersten entschieden wurde, dass sich alle Kolonien verpflichten britische Waren zu boykottieren und sollten die Intolerable Acts nicht aufgehoben werden, so würden die Kolonien keine Waren mehr an Großbritannien liefern. Im darauf folgenden 2. Kontinentalkongress der ca. ein halbes Jahr später stattfand wurde beschlossen eine eigene Armee aufzubauen, der Kongress erarbeitete Bestimmungen zum Handel, führte eigenes Papiergeld ein und verhandelte mit ausländischen Mächten über finanziellen, diplomatischen und militärischen Beistand für die Kolonien. Viele Delegierte der nordamerikanischen Kolonien hofften immer noch auf eine friedliche Einigung mit England, aber der Konflikt verschlimmerte sich stetig, so dass den Kolonien letztlich nur noch die Alternative sinnvoll schien, die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika vom Königreich Großbritannien zu verfassen um ihre Loslösung von Großbritannien und ihr Recht, einen eigenen souveränen Staatenbund zu bilden in einem offiziellen Dokument zu deklarieren. Was folgte war der amerikanische Unabhängigkeitskrieg und am Ende der Unabhängigkeitstag der als Geburtstag der Vereinigten Staaten, als freie und unabhängige Nation, gefeiert. Er erinnert an die Verabschiedung der Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776. Soviel zum Thema, Tee und welche Auswirkungen die Besteuerung des Heißgetränkes hatte.

Amerika und die Teekultur...

Leider ist eine Teekultur im heutigen Amerika nichts mehr zu sehen, zumal der Tee als Inbegriff der ehemaligen Kolonialmacht England gilt. Viele Kolonisten in Boston und in der ganzen Umgebung gaben sich damals aus Protest das Versprechen dem Tee abzuschwören, keinen mehr zu trinken und suchten sich in Kaffee und Kräuteraufgüsse (z.B. mit Himbeerblättern) Alternativen - auch wenn diese Enthaltsamkeit nicht allzu lange anhielt. 2 Produkte rund um den Tee wurden aber dennoch in den USA erfunden, die auch heute noch großen Anklang finden: 1. der Eistee und 2. der Teebeutel.

 
 
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